Stuck in the Middle - Ein kleiner Roman über Einzigartigkeit

March 31, 2016  •  3 Kommentare

Als Fotograf arbeitet jeder an seiner Kunst und irgendwann hat man ein gewisses Standing erreicht, hat vielleicht sogar eine Facebookseite oder Instagram-Account mit ein paar Hundert oder Tausend Fans. Natürlich hält man seine eigenen Bilder für etwas ganz Besonderes. Und leider steht man mit seiner Meinung oft alleine da.
Es gibt einfach viel zu viele Fotografen, die - verzeiht mir die harten Worte- das Gleiche machen. Sein wir mal ehrlich, romantische, sinnliche Portraits, meistens nur Oberkörper, meistens eher Frauen, ein tolles weiches Bokeh als Hintergrund. Da werden bestimmt so einige zugeben müssen, dass diese Beschreibung auch auf ihre Bilder passt. Viele Fotografen haben eben doch einen ähnlichen Stil. Diese Aussage gilt nicht nur für Portraifotografie sondern lässt sich auch auf Pärchen-, Kinder-, Familien-,Hochzeits-, Landschafts-, und Architekturfotografen usw. ausweiten. Und während es uns als Fotografen vielleicht noch etwas einfacher fällt, feine Unterschiede zu erkennen, ist es für Kunden ungleich schwieriger, denn wirklich aus der Menge herausstechen tun wir nicht. 

Wir müssen leider zugeben: Wir sind stuck in the middle.

Vielleicht denken wir schon, einen eigenen Stil gefunden zu haben. Vielleicht ein bestimmter Winkel, aus dem wir besonders oft fotografieren. eine bestimmte Brennweite, die oft zum Einsatz kommt. Eine bestimmt Art, wie wir unsere Bilder bearbeiten oder die Weise, wie wir ein Model besonders gerne posen lassen. Aber ist das wirklich etwas was uns keiner nehmen und niemand nachmachen kann? Macht dieses etwas unsere Bilder so besonders, dass sie aus der Masse herausstechen? Hand aufs Herz, in den meisten Fällen lautet die Antwort wohl: Nein. 

Nun, das ist nicht schön, aber es zuzugeben ist immerhin ein Anfang: Ich bin nur einer von vielen. So einen Gedanken denkt man nicht einfach, ohne dass eine gewisse Panik in einem aufsteigt. Uns schwappt das Wasser schon bis zur Nase, so sehr drohen wir in der schieren Masse an abertausenden Fotografen, die es ähnlich machen, wie wir, unterzugehen. Und dabei möchte doch jeder von uns etwas Besonderes sein. Und als Fotografen mit dem Anspruch uns an Kunden zu vermarkten, wollen wir doch auch, dass auch unsere Kunden erkennen, dass wir etwas Besonderes zu bieten haben. 

Nennen wir das Kind beim Namen: Wir suchen ein Alleinstellungsmerkmal. Alleinstellungsmerkmale fallen aber leider nicht vom Himmel, wie also kommt man an so etwas? 

Die traurige Wahrheit ist: Es gibt kein Patentrezept.

Und so gerne ich euch sagen würde, dass jeder sein persönliches Genie irgendwo in sich trägt und dass es eines Tages schon zum Vorschein kommen wird, müssen wir doch die Möglichkeit erwägen, dass es nicht so ist. Nicht jeder von uns wird es schaffen, sein fotografisches Alleinstellungsmerkmal zu finden. Ich bin selbst auf der Suche. Und habe höllische Angst, dass sich da, wo ich verborgene Talente erhoffe, nichts als gähnende Leere verbirgt. Es ist eine Panik, die wir alle schon mal gespürt haben. Wenn wir durch unseren Facebook Newsfeed scrollen zum Beispiel, der vollgestopft ist mit genialen Bildern, so dass uns vor Staunen die Münder offen stehen. Und während wir noch fasziniert auf fremde Bilder glotzen, schleicht sich unbemerkt ein fieser Zweifel von hinten an und infiltriert unsere Gedanken: "So etwas Tolles werd ich niemals können!"

Und wenn es ein wirklich begnadeter Fotograf war, dessen Bild ihr angehimmelt habt, so einer von der Sorte, der einfach aus der Masse heraussticht, dann hab ich schlechte Nachrichten für euch: Ihr habt Recht. So etwas, GENAU so etwas werdet ihr niemals können. Was der Fotograf da geschaffen hat, ist nur seins, nur er allein kann diese Bilder machen, einfach weil sie durchtränkt sind mit dem besonderen Etwas, das er der der Welt zu bieten hat. (Natürlich könnte man versuchen, das Bild nachzuahmen, und mit viel Glück hat man am Ende sogar ein halbwegs gutes Bild, was ähnlich aussieht und doch nicht das gleiche ist, weil es nicht euer kreativer Geist war, der es geschaffen hat, weil es eben nur eine Kopie ist. Und damit hätten wir dann ordentlich Zeit verschwendet, während der echte Künstler schon wieder ein anderes Bild raushaut, das uns den Atem verschlägt.) 

Vielleicht könnte man ja einen Workshop besuchen, bei einem der Fotografen, die man vergöttert. Vielleicht bringt das uns ja weiter? Naja, sicherlich macht so etwas Spaß und es ist auch interessant zu sehen, wie seine Idole so arbeiten, aber in den meisten Fällen werdet ihr dort nur lernen, ein bisschen mehr so zu fotografieren und zu bearbeiten wie der Fotograf, dessen Workshop ihr besucht ( ohne das es jedoch jemals das gleiche sein wird, was der Fotograf selbst erschafft). Ich hoffe die fleißigen Workshopgänger unter euch steinigen mich jetzt nicht, aber wenn eure Bilder nach dem Workshop ein bisschen mehr so aussehen, wie die eurer Idole, dann hilft euch das leider nicht, ein persönliches Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln. Workshops, die darauf abzielen, euch in eurem eigenen Stil so zu fördern, dass ihr ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln könnt, sind nicht allzu dicke gestreut. Und wie bereits angesprochen, es gibt kein Patentrezept. Manche finden ihre persönliche Einzigartigkeit auf diese Art und manche auf eine andere. Versteht mich bitte nicht falsch! Es ist gut Idole zu haben und zu wissen, wo man mal hinmöchte! Aber das Ziel sollte es nicht sein, ähnliche Bilder zu machen, sondern das zu erreichen, was der Fotogott eurer Wahl bereits erreicht hat: Sich so zu differenzieren, dass seine Bilder aus der Masse herausstechen!

Der erste Schritt in Richtung Einzigartigkeit ist es, damit aufzuhören, zu wollen, dass unsere Bilder aussehen, wie die Bilder eines anderen Fotografen. Denn das ist ein Gedanke, von dem wir uns ohnehin verabschieden sollten. Nichts das wir wollen sollten. Unsere Bilder sollen aussehen wie unsere Bilder und das soll auch jeder andere sehen! Betrachten wir es als eine Art kreativen Selbstfindungstrip.

Wenn euch dieser Blogpost gefallen und hoffentlich nicht allzu sehr deprimiert hat, dann freut euch, denn er ist Teil einer vierteiligen Reihe. Im nächsten Post erfahrt ihr, was euch wirklich davon abhält, eure Träume zu verwirklichen (immer gut zu wissen, was man in Zukunft vermeiden sollte, nicht wahr?) 


Kommentare

GambaJo(nicht registriert)
Ich hatte schon ähnliche Gedanken, allerdings bin ich kein Profi, sondern Amateur. Ich habe den Luxus, dass meine Bilder niemandem anderen gefallen müssen, als mir.
Während ich früher teils unbewusst Bilder gemacht habe, für die ich möglichst viel Bewunderung bekommen habe (fishing for compliments), mache ich heute (fast) nur noch Bilder, die mir gefallen, und vor allem Bedeutung haben (für wen auch immer). Dabei jage ich nicht einem einzigartigen Stil nach, und ich weiß auch, dass so etwas wie ein bestimmter Winkel, aus dem wir besonders oft fotografieren. eine bestimmte Brennweite oder die Art der Nachbearbeitung nicht gleichzusetzen mit einem einzigartigen Stil sind. Einen solchen Stil oder einfach nur "gute" Bilder kann man sich nicht durch teureres oder mehr Equipment erkaufen.

Ich habe mal dazu einen Artikel (http://fokussiert.com/2015/10/05/motivsuche-von-jaegern-und-sammlern/) verfasst, allerdings aus der Sich eines Amateurs.

BTW: Ich finde es gut, dass Du dir mit deinen jungen Jahren schon solch differenzierte Gedanken zu dem Thema machst. So etwas hört man oft nur von den "alten Hasen". Wenn überhaupt.
Alisa(nicht registriert)
Es ist irgendwie beruhigend zu lesen, dass man mit seinen Gedanken nicht alleine ist. Ich habe dieses Gefühl, nicht herausstechen und damit nicht genügen zu können, immer wieder. Manchmal motiviert es mich, manchmal lähmt es mich. Ich versuche mich dann immer wieder darauf zu besinnen, dass mir das ganze doch Spaß macht. Dass ich mich, gemessen an mir selbst, tatsächlich weiter entwickelt habe. Doch irgendwie hast du schon recht: es ist einfach nie genug, wenn man da durch seinen Newsfeed scrollt. Wir werden sehen, wo uns unser Weg hinführen wird. Aber hey, wir sind auch mit unseren Gedanken nicht alleine. Und auch wenn das schon wieder "stuck in the middle" ist - tröstlich ist es irgendwie trotzdem!
Susanne(nicht registriert)
Hallo :-)
Danke für Deinen Post! Es ist absolut richtig. Jeder ist in gewisser Weise ersetzbar, aber gleichzeitig finde ich auch, dass es schon wirklich viele herausragende Fotografen gibt, die ihren ganz persönlichen Style gefunden haben und dessen Bilder auch einen Wiedererkennungswert haben - so wie die deinen.
Es sind eben nicht "nur" romantische, stimmungsvolle Portraits in schönem Licht, sondern erzählen eine Geschichte. Oft gemünzt mit ein paar außergewöhnlichen Tieren (Esel, Igel, Vögel,...) - eben nicht das typische 0-8-15-Programm, das viele Fotografen abliefern.
Idole sind immer wichtig. Jeder hat eine bestimmte Vorstellung in welche Richtung man sich weiterentwickeln möchte und da sind diese Richtlinien sehr angenehm. Es bringt einen auf neue Ideen, lässt uns mal etwas Neues ausprobieren und wer weiß, vielleicht entwickelt sich aus diesem "Nachahmen" ja auch zufällig der eigene Style, der zwar in Richtung des Idols geht, aber eben nicht zu ähnlich ist.
Als "Kunde" ist es oft einfacher eine gewisse Vorstellung der gewünschten Bildern anhand anderer Künstler zu verdeutlichen. Wenn man das gewünschte nicht "richtig" beschreiben kann, kommt es oft zu Missverständnissen und das hilft am Ende weder dem Künstler noch dem Kunden... Wichtig ist letzten Endes doch, dass alle Beteiligten mit dem Resultat zufrieden sind und mal unter uns: ich bin fest der Meinung, dass deine Bilder definitiv schon das gewisse Etwas haben! ;-)
Liebe Grüße,
Susanne
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